2016

Vor fast genau einem Jahr schrieb ich an meinen Spiegel „ich glaub an mich“, mein damaliger Klassenlehrer meinte, wenn ich das jeden Tag lese, dann glaube ich es wirklich irgendwann. Geschafft habe ich es bis heute nicht.

Das Jahr 2015 war kein gutes für mich, die Schule hat mich so fertig gemacht, ich glaubte nicht an mich, war unmotiviert, wollte nicht mehr lernen und beendete die Schule, nach 12 Jahren Gymnasium mit einem erdenklich schlechten Abschluss. Viele würden mich eine Schulversagerin nennen, aber ich hätte kein Jahr mehr durchziehen können.

Dann ging es aufwärts, ich bewarb mich für mehrere Föj-Stellen, schrieb ein Zwölfseitiges Motivationsschreiben auf deutsch und französisch, fuhr an die Nordsee, für ein Vorstellungsgespräch, fuhr zu einem Bewerbertreffen, führte deutsch-französische Einzelgespräch und ging letztendlich nach Frankreich zum Probearbeiten um dort zu erfahren, dass ich trotz 10 weiteren Bewerbern, die sicher ein besseres Zeugnis und einen besseren Abschluss hatten und um einiges reifer waren als ich, die Stelle meiner Träume bekommen habe.

 

Die Sommerferien rückten näher, die letzte Woche ging ich nicht mal mehr den ganzen Tag in die Schule, warum auch? Der letzte Schultag war mein Startschuss in die Freiheit, ich verließ das Gebäude, sagte auf nimmer wiedersehen, danke für nichts und ging mit meinen besten Freunden auf ein Festival.

Was dann folgte war zunächst ein mal die Sache mit dem Führerschein. Typisch für mich begonn ich mit den Fahrstunden 6 Wochen vor meinem Umzug nach Frankreich. Aber wer kann schon von sich behaupten, fast den kompletten Führerscheinstoff innerhalb von 6 Wochen durchgenommen zu haben, zwei mal zur Theorieprüfung angetreten zu sein innerhalb dieser Zeit und direkt danach die praktische Prüfung, mit etwa 5 Fahrstunden zu wenig bestanden zu haben?

Dazwischen habe ich mir mit meiner besten Freundin einen Traum erfüllt und bin für 3 Tage nach Amsterdam gefahren. Danke dass ich das mit dir erleben durfte ❤

Und dann, endlich, am 11. September 2015, fuhr ich mit meinen Eltern zu meiner Einsatzstelle nach Frankreich und es kehrte Ruhe in meinem Leben ein.

In den 4 Monaten hier verlor ich den Kontakt zu vielen Menschen und erfuhr dadurch wer meine wirklichen Freunde sind. Ich bin dankbar für all die Erfahrungen die ich hier auf meinem Hof zwischen Pferden und Kühen mache und für all die neuen tollen Menschen die ich kennenlerne. Ich bin dankbar dafür, dass man mir die Möglichkeit gegeben hat diesen Weg einzuschlagen und dafür, dass meine Familie immer hinter mir steht.

Ein Hoch auf die Familie, auf Freunde und auf das Leben. Zweitausendsechzehn wird grandios.

 

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In Gedenken an einen unglaublichen Hasen, der in Freiheit lebte und starb ❤

 

Roadtrip

„Wann bist du glücklich?“ – „In 10 Jahren, wenn ich einen guten Beruf habe und eine eigene Familie.“ Ein Film mit einer genialen Moral, Margos Spuren. Zur Zeit mit Abstand mein Lieblingsfilm. Margo sagt uns, dass wir nicht für den Lebenslauf leben sollen, sondern fürs Leben.

Die Jone fährt jetzt Auto und noch nie hat sie sich so frei gefühlt. Heute habe ich mit einem wunderbaren Menschen den Nachmittag verbracht, es war ein kleiner Roadtrip, die ganze Welt stand uns offen und doch haben wir nur den Landkreis gewechselt, den Sonnenuntergang auf einem Berg genossen, Eis gegessen und Himbeersaft getrunken. Perfekt unperfekt.1451169618814145115647418214511563424331451169483469

 

 

 

 

 

Urlaub

Eigentlich war jetzt ein Post über das zweite Seminar in Planung. Da sich der verfasste Text aber auf meinem Computer in Frankreich befindet und ich derzeit zu Besuch in Deutschland bin, verschiebt sich das noch ein paar Tage nach hinten.

Die letzten Wochen auf meinem Hof waren bisher die Schönsten, das Verhältnis zu meiner Tutorin hat sich enorm gebessert und die Arbeit mit den Pferden hat mir so viel Spaß gemacht wie noch nie. Diese drei Monate waren eine so tolle Erfahrung und ich freue mich unglaublich auf die folgenden neun.

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Schöne Weihnachten euch allen, genießt die drei Feiertage ❤

Je pense à vous

Was soll ich schreiben? Ich bin fassungslos trifft es nicht im geringsten, was ich fühle. Es müsste ein neues Wort erfunden werden, um das zu beschreiben, was in Paris passiert ist. Ein Wort, das Fassungslosigkeit, Trauer, Verständnislosigkeit, Abscheu, Schock, Mitgefühl, Zusammenhalt, Angst, Wut und noch viel viel mehr enthält.

Wie können Menschen Menschen so etwas antun? Diese Welt ist so krank und wenn wir ehrlich sind ist unsere Spezies verantwortlich dafür.

Zur Zeit bin ich erfüllt von Angst und Wut, vor allem Wut! Wie kann man nur so krank sein? Das ist etwas was ich nie verstehen werde, warum werden Menschen so? Alles Fragen, für die es keine Antwort gibt.

Je pense à vous, ich denk an euch ❤

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Pause

Dieser alltägliche Stress, das Leben nach Stundenplan, die Bewertung in Noten, die Aussortierung am Ende des Jahres. Fleiß, Arbeit für nichts, Demütigung und letztendlich Verzweiflung. So würde ich mein letztes Schuljahr beschreiben.

Ich wollte nicht einen Tag länger zur Schule und mich länger von den blöden Lehrern demütigen lassen. Die Einen nennen es weglaufen, ich nenne es Pause. Pause von Menschen die ich micht mag, Pause von Deutschland und vor allem Pause vom Leben.

Die Welt steht still für mich, sie dreht sich nicht. Augen schließen, durchatmen, Kopf lüften, Abstand gewinnen, vergangene Jahre nur noch von oben betrachten nicht mehr mitten drin stehen, mich selbst finden, erwachsen werden. So würde ich das kommende Jahr beschreiben.

Zur Zeit watschel ich noch durch die Pampa, was die Zukunft betrifft, aber kann es sein, dass da hinten am Horizont, hinter all dem Nebel, der hier den Herbst so sehr beherrscht, ein Wegweiser zu erahnen ist?

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Die Höhen und Tiefen einer freiwilligen

Das Leben als freiwilliger ist nicht immer einfach. Da gibt es viele Zweifel, Heimweh, Erleuchtungen und Erkenntnisse. Einerseits möchte ich den Blog dazu nutzen, dass meine Familie und Freunde wissen was hier so los ist, andererseits kann das was ich in diesem Jahr alles posten werde auch interessant sein für alle die sich überlegen etwas ähnliches zu machen.

Seit zwei Monaten atme ich nun schon durchgehend französische Luft. Manchmal frage ich mich tatsächlich, ob es nicht mal wieder Zeit wäre für deutschen Boden. Manchmal frage ich mich tatsächlich,  ob ich das Jahr schaffe, körperlich meine ich.

Doch dann kommt dieser eine Moment, dieses Wörtchen oder die Geste und da weiß ich plötzlich wieder warum ich das mache und warum ich das durchziehe. Da fällt mir wieder ein, dass ich gerade das Leben führe das ich immer führen wollte.                 Ich habe das Gefühl ein bisschen erwachsener geworden zu sein, ein bisschen mehr in der Mitte zu sein. Es ist schön neue positive Seiten von sich zu entdecken und an den negativen zu feilen.

Die letzten Wochen erlebten wir hier einen wunderschönen goldenen Herbst der bunter und heller nicht sein konnte.

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Immer diese Sonntage

Sonntage sind toll, mein liebster Tag in der Woche. Die Pferde werden so schnell wie möglich versorgt und ab da wird der Tag zur Pause, zumindest bis dahin, wo die Pferde wieder versorgt werden müssen. Meist habe ich dann sogar schon vormittags Zeit zum reiten, was ich unter der Woche nie habe.
Nach dem Mittagessen trinken wir Tee, dann stricken wir, dann trinken wir Tee und nach dem stricken wird etwas süßes gegessen woraufhin dann weiter gestrickt wird.
Früher mochte ich keine Sonntage, für mich waren sie kalt und trostlos, wie im Winter, wenn es auf den Schnee regnet. Danach war immer Schule und Schule ist genauso, wie wenn es im Winter auf den Schnee regnet. Doch jetzt ist der Sonntag für mich so etwas wie die Sommerferien für einen Schüler, oder wie ein heißer Tee im tiefsten Winter. Ich habe keinen freien Tag, kein Wochenende, muss auch am Sonntag früh aufstehen und den Stall machen, aber man kann trotzdem ausspannen und hat bisschen Zeit für alles Mögliche, beispielsweise stricken.
Der Hof ist wie leergefegt, alles ist wunderbar friedlich und entspannend. Sonntage sind eben toll, meine liebsten Tage.

Heute Nachmittag bin ich etwas mit der Kamera herumgezogen… In flip Flops… Gestern hat es geregnet und die Pferdeweiden sind matschig. Ich hatte natürlich den genialen Einfall bisschen auf die Weiden zu gehen, naja die flip Flops sind jetzt nicht mehr türkis sondern braun, genauso wie meine Füße.

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