2. Seminar

Ich war im tiefsten Winter, irgendwo in den Vogesen, auf 1000 m Höhe in einem Haus das nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist, wo das Wasser mit Feuer geheizt wird und man nach einer Woche sicher sagen kann, dass dieses Haus eine Seele hat.

Wir haben gelacht und gesungen, uns gegenseitig stricken und häkeln beigebracht, Tee getrunken zu jeder Stunde des Tages. Wir haben gebacken und Weihnachten vorgefeiert aber vor Allem waren wir eine Gemeinschaft.

Das Haus in dem wir lebten hatte eine ganz besondere Ausstrahlung, die einen im hier und jetzt ankommen lässt, so dass man sich einfach nur wohlfühlen kann. Nach einer Woche im tiefsten Schnee waren wir ganzen Freiwilligen einfach nur entspannt, neu motiviert, den Kopf voll mit Ideen die man sofort umsetzen wird wenn man wieder auf dem Hof ist, den Bauch voller Liebe, denn irgendwie sind wir eine große Familie.

Wir haben getanzt zu selbst gemachter Musik, im Schlafanzug, irgendwann zwischen Nacht und Morgen, mit Vollmond und Sicht bis zu den einzelnen Lichtern im Tal, irgendwie unwirklich und doch wahr.

Eine unglaubliche Zeit war das mit euch. VE-FAmille ❤

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Mein etwas verspäteter Post über das 2. Seminar Ende November 2015

2016

Vor fast genau einem Jahr schrieb ich an meinen Spiegel „ich glaub an mich“, mein damaliger Klassenlehrer meinte, wenn ich das jeden Tag lese, dann glaube ich es wirklich irgendwann. Geschafft habe ich es bis heute nicht.

Das Jahr 2015 war kein gutes für mich, die Schule hat mich so fertig gemacht, ich glaubte nicht an mich, war unmotiviert, wollte nicht mehr lernen und beendete die Schule, nach 12 Jahren Gymnasium mit einem erdenklich schlechten Abschluss. Viele würden mich eine Schulversagerin nennen, aber ich hätte kein Jahr mehr durchziehen können.

Dann ging es aufwärts, ich bewarb mich für mehrere Föj-Stellen, schrieb ein Zwölfseitiges Motivationsschreiben auf deutsch und französisch, fuhr an die Nordsee, für ein Vorstellungsgespräch, fuhr zu einem Bewerbertreffen, führte deutsch-französische Einzelgespräch und ging letztendlich nach Frankreich zum Probearbeiten um dort zu erfahren, dass ich trotz 10 weiteren Bewerbern, die sicher ein besseres Zeugnis und einen besseren Abschluss hatten und um einiges reifer waren als ich, die Stelle meiner Träume bekommen habe.

 

Die Sommerferien rückten näher, die letzte Woche ging ich nicht mal mehr den ganzen Tag in die Schule, warum auch? Der letzte Schultag war mein Startschuss in die Freiheit, ich verließ das Gebäude, sagte auf nimmer wiedersehen, danke für nichts und ging mit meinen besten Freunden auf ein Festival.

Was dann folgte war zunächst ein mal die Sache mit dem Führerschein. Typisch für mich begonn ich mit den Fahrstunden 6 Wochen vor meinem Umzug nach Frankreich. Aber wer kann schon von sich behaupten, fast den kompletten Führerscheinstoff innerhalb von 6 Wochen durchgenommen zu haben, zwei mal zur Theorieprüfung angetreten zu sein innerhalb dieser Zeit und direkt danach die praktische Prüfung, mit etwa 5 Fahrstunden zu wenig bestanden zu haben?

Dazwischen habe ich mir mit meiner besten Freundin einen Traum erfüllt und bin für 3 Tage nach Amsterdam gefahren. Danke dass ich das mit dir erleben durfte ❤

Und dann, endlich, am 11. September 2015, fuhr ich mit meinen Eltern zu meiner Einsatzstelle nach Frankreich und es kehrte Ruhe in meinem Leben ein.

In den 4 Monaten hier verlor ich den Kontakt zu vielen Menschen und erfuhr dadurch wer meine wirklichen Freunde sind. Ich bin dankbar für all die Erfahrungen die ich hier auf meinem Hof zwischen Pferden und Kühen mache und für all die neuen tollen Menschen die ich kennenlerne. Ich bin dankbar dafür, dass man mir die Möglichkeit gegeben hat diesen Weg einzuschlagen und dafür, dass meine Familie immer hinter mir steht.

Ein Hoch auf die Familie, auf Freunde und auf das Leben. Zweitausendsechzehn wird grandios.

 

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In Gedenken an einen unglaublichen Hasen, der in Freiheit lebte und starb ❤