Je pense à vous

Was soll ich schreiben? Ich bin fassungslos trifft es nicht im geringsten, was ich fühle. Es müsste ein neues Wort erfunden werden, um das zu beschreiben, was in Paris passiert ist. Ein Wort, das Fassungslosigkeit, Trauer, Verständnislosigkeit, Abscheu, Schock, Mitgefühl, Zusammenhalt, Angst, Wut und noch viel viel mehr enthält.

Wie können Menschen Menschen so etwas antun? Diese Welt ist so krank und wenn wir ehrlich sind ist unsere Spezies verantwortlich dafür.

Zur Zeit bin ich erfüllt von Angst und Wut, vor allem Wut! Wie kann man nur so krank sein? Das ist etwas was ich nie verstehen werde, warum werden Menschen so? Alles Fragen, für die es keine Antwort gibt.

Je pense à vous, ich denk an euch ❤

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Pause

Dieser alltägliche Stress, das Leben nach Stundenplan, die Bewertung in Noten, die Aussortierung am Ende des Jahres. Fleiß, Arbeit für nichts, Demütigung und letztendlich Verzweiflung. So würde ich mein letztes Schuljahr beschreiben.

Ich wollte nicht einen Tag länger zur Schule und mich länger von den blöden Lehrern demütigen lassen. Die Einen nennen es weglaufen, ich nenne es Pause. Pause von Menschen die ich micht mag, Pause von Deutschland und vor allem Pause vom Leben.

Die Welt steht still für mich, sie dreht sich nicht. Augen schließen, durchatmen, Kopf lüften, Abstand gewinnen, vergangene Jahre nur noch von oben betrachten nicht mehr mitten drin stehen, mich selbst finden, erwachsen werden. So würde ich das kommende Jahr beschreiben.

Zur Zeit watschel ich noch durch die Pampa, was die Zukunft betrifft, aber kann es sein, dass da hinten am Horizont, hinter all dem Nebel, der hier den Herbst so sehr beherrscht, ein Wegweiser zu erahnen ist?

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Die Höhen und Tiefen einer freiwilligen

Das Leben als freiwilliger ist nicht immer einfach. Da gibt es viele Zweifel, Heimweh, Erleuchtungen und Erkenntnisse. Einerseits möchte ich den Blog dazu nutzen, dass meine Familie und Freunde wissen was hier so los ist, andererseits kann das was ich in diesem Jahr alles posten werde auch interessant sein für alle die sich überlegen etwas ähnliches zu machen.

Seit zwei Monaten atme ich nun schon durchgehend französische Luft. Manchmal frage ich mich tatsächlich, ob es nicht mal wieder Zeit wäre für deutschen Boden. Manchmal frage ich mich tatsächlich,  ob ich das Jahr schaffe, körperlich meine ich.

Doch dann kommt dieser eine Moment, dieses Wörtchen oder die Geste und da weiß ich plötzlich wieder warum ich das mache und warum ich das durchziehe. Da fällt mir wieder ein, dass ich gerade das Leben führe das ich immer führen wollte.                 Ich habe das Gefühl ein bisschen erwachsener geworden zu sein, ein bisschen mehr in der Mitte zu sein. Es ist schön neue positive Seiten von sich zu entdecken und an den negativen zu feilen.

Die letzten Wochen erlebten wir hier einen wunderschönen goldenen Herbst der bunter und heller nicht sein konnte.

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Immer diese Sonntage

Sonntage sind toll, mein liebster Tag in der Woche. Die Pferde werden so schnell wie möglich versorgt und ab da wird der Tag zur Pause, zumindest bis dahin, wo die Pferde wieder versorgt werden müssen. Meist habe ich dann sogar schon vormittags Zeit zum reiten, was ich unter der Woche nie habe.
Nach dem Mittagessen trinken wir Tee, dann stricken wir, dann trinken wir Tee und nach dem stricken wird etwas süßes gegessen woraufhin dann weiter gestrickt wird.
Früher mochte ich keine Sonntage, für mich waren sie kalt und trostlos, wie im Winter, wenn es auf den Schnee regnet. Danach war immer Schule und Schule ist genauso, wie wenn es im Winter auf den Schnee regnet. Doch jetzt ist der Sonntag für mich so etwas wie die Sommerferien für einen Schüler, oder wie ein heißer Tee im tiefsten Winter. Ich habe keinen freien Tag, kein Wochenende, muss auch am Sonntag früh aufstehen und den Stall machen, aber man kann trotzdem ausspannen und hat bisschen Zeit für alles Mögliche, beispielsweise stricken.
Der Hof ist wie leergefegt, alles ist wunderbar friedlich und entspannend. Sonntage sind eben toll, meine liebsten Tage.

Heute Nachmittag bin ich etwas mit der Kamera herumgezogen… In flip Flops… Gestern hat es geregnet und die Pferdeweiden sind matschig. Ich hatte natürlich den genialen Einfall bisschen auf die Weiden zu gehen, naja die flip Flops sind jetzt nicht mehr türkis sondern braun, genauso wie meine Füße.

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Die erste Woche

Jetzt bin ich schon eine Woche hier und das einzige Mal wo ich Heimweh hatte war, als meine Eltern gegangen sind. Bisher hatte ich auch gar nicht wirklich Zeit um Heimweh zu bekommen. So viele neue Eindrücke hier, so viele neue Leute, so viel Arbeit und so viel französisch.
Abends bin ich nie lange wach, denn für langes Aufbleiben bin ich einfach zu fertig.
Die Vorstellung, dass ich wirklich ein ganzes Jahr hier sein werde, ist immernoch unmöglich. Es kommt mir alles so unwirklich vor, dass ich jetzt wirklich hier bin. Ich dachte, wenn ich dann mal ein paar Tage hier bin, dann wird mir das alles irgendwie bewusst, aber bisher ist es immernoch wie im Traum.
Ein Jahr lebe ich den Traum von so vielen Menschen. Ich lebe auf einem Bauernhof in einem wunderschönen Zimmer mit Blick auf den Pferdestall, nachts höre ich das Schnauben der Pferde. Nachmittags kann ich meistens reiten. Ich mache Ausritte auf einem Pferd, das ein Jahr nur mir gehört, galoppiere zwischen unendlichen Wiesen der untergehenden Sonne entgegen.
Wenn ich mir das so durchlese ist es kein Wunder, dass mir das Alles so unwirklich vorkommt. Ist das so eine Sache, wo man erst merkt wie schön es war, wenn es schon vorbei ist? Bitte nicht!
Natürlich ist das hier nicht nur Urlaub. Morgens muss ich relativ früh aufstehen und den fast 40 Pferden Heu geben, Boxen misten und einstreuen, Stallgassen kehren und Pferde auf die Weide bringen. Ich habe so starken Muskelkater, kann meine Arme nicht nach hinten strecken weil meine Muskeln sich sonst anfühlen als würden sie durchreisen…
Ich esse Unmengen, frühstücke derzeit immer zwei Mal und esse fast die doppelte Portion zu mittag als sonst. Die Mittagspause schlafe ich durch, zu was anderem bin ich in dieser Zeit gar nicht fähig.
Nachmittags stehen immer unterschiedliche Dinge an. Kürzlich gab es beispielsweise einen starken Sturm, da habe ich dann die ganzen Äste aufgesammelt die von den Pappeln gefallen sind. Aber auch wenn es manchmal nachmittags viel zu tun gibt, bleibt mit immernoch Zeit für Lülü, „meine“ Stute. Die arme Maus muss abnehmen und deshalb jage ich mit ihr vor den Ausritten immer erst durch die Halle. Der Sattel ist so hart, ich glaube ich bekomme Hornhaut am Hintern. An den Händen habe ich sogar schon ein bisschen.
Zu allem Überfluss habe ich hier auch noch die Liebe meines Lebens gefunden. Er heißt Richard (natürlich Rischaar ausgesprochen), ist ein stolzes halbes Jahr alt, rothaarig, generell sehr haarig und fährt total darauf ab wenn ich stricke. Richard ist eine der süßesten Katzen der Welt!
Trotz Muskelkater, trotz hunderter Kilometer weg von zu hause, trotz Todmüdigkeit und trotz Sommerende bin ich glücklich hier und es gibt keinen anderen Ort an dem ich lieber wäre als diesen hier. Lediglich ein paar Menschchen und Tierchen die ich sehr vermisse könnten jetzt hier sein.
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