Alles was wir haben ist jetzt 

Heute an diesem wunderschönen Oktobertag wurde mir bewusst, wie selten ich durch die Natur gehe und sie wirklich sehe, sehe wie wunderschön unsere Erde doch ist. 
Nachdem ich mit zwei wundervollen Personen die Nacht über essend und quatschend in der Küche saß, wie in alten Zeiten auf der inzwischen viel zu kleinen Wippe auf dem Spielplatz wippte, in Schlafanzug und Bommelmütze und anschließend mit offenen Fenstern den bunten Bäumen mit strahlend blauem Hintergrund entgegenfuhr, kann ich nun mit Überzeugung sagen: das Leben ist wunderschön! 
Ich hatte immer den Gedanken, dass ich hier nicht hingehöre, hier, wo auch immer ich gerade war. Wo anders wird es sicher schöner sein, wo anders wird es mir sicher besser gehen. Aber wie absurd dieser Gedanke ist, wurde mir in den letzten Wochen immer bewusster. Alles was wir haben ist das hier und jetzt, der Ort an dem wir gerade sind, die Menschen die um uns herum sind, die Geschichten die erzählt werden, die Dinge die passieren, die Sonne die scheint oder der Regen der plätschert. Das jetzt ist alles was wir haben und das sollten wir doch auch irgendwie nutzen. Denn das Leben kann so toll sein und der Ort an dem wir sind wunderschön, es kommt nur darauf an wie wir die Dinge sehen. 

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Vom Ankommen ohne zurückzukommen

Seit einiger Zeit drücke ich mich davor diesen Text zu schreiben. Teilweise weil ich nicht den richtigen Anfang finde und teilweise auch weil ich nicht in einem Post ausdrücken kann wie es sich anfühlt nach einem Jahr im Ausland, zurückzukehren. Doch eigentlich muss ich das auch gar nicht.

Meine Zeit in Frankreich war geprägt von einem ewigen Auf und Ab, aber Alles in Allem doch ganz wunderbar. Als Jugendlicher die Schule abzubrechen und für ein Jahr weg von der Familie, von Freunden, weg von allem vertrauten, ist eben ein Schritt raus aus der Komfortzone und nicht immer so leicht. Es war ein Jahr in dem ich unter enormem Druck stand, nicht akzeptiert wurde und teilweise auf übelste Art und Weise respektlos behandelt wurde. Doch trotzdem bereue ich diesen Schritt nicht, es gab durchaus wunderbare Zeiten, ich konnte viel mitnehmen, habe unglaublich viel übers Leben gelernt und ein Stück weit mich selbst kennengelernt.

Zurückzukommen ist nicht einfach. Wir haben ein anderes Stück dieser Welt entdeckt, da kommt uns dieses zu Hause plötzlich viel zu klein vor, die Treppe ist zu steil, die Lichtschalter am falschen Platz, die Steckdosen gehen viel zu schwer und der Ton vom Fernseher ist irgendwie richtig gut. Hier hat es weniger Sterne aber mehr Harmonie, die Spülmaschine wird endlich wieder ordentlich eingeräumt und Brot kann ja tatsächlich satt machen (nach einem Jahr nur Baguette schätze ich unser gutes altes Körnerbrot endlich).

Zurückkommen ist das falsche Wort, zurückkommen möchte ich nicht, nach all den Dingen die ich erlebt und gelernt habe. Ich möchte ankommen, aber ohne zurückzukommen. (wie es die tolle Luise ausgedrückt hat)


Provence – ein kleiner Reisebericht 

Vor kurzem ging es für mich ganz spontan nach Südfrankreich in die wunderschöne Provence. Für mich ein Teil Frankreichs, den ich nicht sehr gut kenne, aber unbedingt kennenlernen möchte. Es reizt mich Städte wie Monte Carlo, Cannes und Marseille zu besuchen, aber genauso möchte ich auch die zahlreichen anderen Städtchen der Provence und ihre Natur kennenlernen. Dieser Kurztrip hat mir schon einmal einen kleinen aber feinen Einblick gegeben. 

Gelebt haben wir in einem kleinen Dorf bei Manosque, mitten im Luberon, etwa 45 Minuten entfernt von Marseille. Eine Gegend mit kleinen, sehr kurvigen Sträßchen und einem ewigen Auf und Ab. Wie ich erfahren durfte eine super Gegend zum Rennradfahren. 

Den Süden Frankreichs hatte ich mir immer sehr flach vorgestellt, was man vom Luberon nicht gerade behaupten kann. 

Das nächste Mal werde ich auf jeden Fall eine ausgiebige Wandertour in die Wege leiten, so sieht man am meisten von der Gegend, hat gute Möglichkeiten Fotos zu machen, aber auch Zeit die Landschaft kennenzulernen und zu genießen. Bei meinen vier Tagen, davon einer für die Anreise und einer für die Abreise, hatten wir dafür einfach zu wenig Zeit. 
In ein Dorf habe ich mich sehr verliebt. Cucuron ist ein kleines Städtchen im Herzen des Luberon. Dienstags findet dort ein wunderschöner Markt statt, die Stände verteilt um ein Wasserbecken und umgeben von alten, riesigen Platanen. Vor den zahlreichen Restaurants sitzen die Leute, das Ganze vertont mit Straßenmusik und jeder scheint irgendwie gut gelaunt zu sein. 

Für den letzten Abend hatten wir uns einen Tisch im ‚petite maison de Cucuron‘ reserviert. Einem Sternelokal, direkt am Marktplatz. Hätte ich keine Magenverstimmung gehabt, so hätte ich das köstliche Essen sehr genießen können. Tagsüber sieht das Ganze eher schäbig und unspektakulär aus, aber abends ab 20 Uhr sitzen dort gut gekleidete Menschen aus aller Welt, an schön hergerichteten Tischen. 
Es war wirklich eine schöne Zeit in der Provence, die leider viel zu schnell wieder vorbei war. Doch wer sagt denn, dass es das letzte Mal war? 

Eine Eisdiele mit Sicht 

Vom wilden Westen 

Heute Abend kam im französischen Arte eine Sendung über zwei deutsche, die durch den wilden Westen reiten. Erst einmal muss ich sagen, dass die Landschaft wirklich atemberaubend ist, ein bisschen rau, ein bisschen karg, ein bisschen so als sollte man sich dort nicht verirren. Genau mein Ding, solche Landschaften faszinieren und inspirieren mich sehr, habe ich allerdings noch nie selbst gesehen. Auf diesem Teil der Erde sind die Cowboys zu Hause und man muss schon sagen, dass Cowboys ganz schön cool sind. Dort wird ein Lebensstil praktiziert den ich zu gerne einmal mitleben möchte. Die Cowboys und Girls mit ihren coolen American Quarter Horses, diese kleinen Pferde mit den muskulösen Hintern, Cowboystiefel, Jeans, Karohemd und Hut. Die Zügel meist durchhängend, denn eines der Ziele beim Westernreiten ist das Reiten ohne Zügel, die Pferde entspannt, scharfe Sporen die bei jedem Schritt scheppern und deren Idee es ist, als Verfeinerung der Hilfen zu dienen und nicht zum Zufügen von Schmerz. 
Western ist etwas was mich fasziniert und was mich in seinen Bann gezogen hat. Ich war nie jemand, der wirklich eine Reitdisziplin lernen wollte, mein Ziel bestand daraus das Pferd unter Kontrolle zu haben und oben zu bleiben. Doch Western ist etwas das ich unbedingt lernen möchte. Hier habe ich die Möglichkeit ein Quarter Horse zu reiten, welches auf den größten Turnieren Frankreichs mitgeritten ist. Wir zwei werden noch viel voneinander lernen. Zum Beispiel dass man im gestreckten Galopp nicht „Ho“ sagen sollte, weil man sonst über den Hals purzelt, was ich schon fast zu spüren bekommen hätte… 
Hier ein paar Bilder von einem Westernturnier auf dem Hof auf dem ich derzeit lebe. 

   
    
    
   

18.03.2016

Ich sitze gerade in Straßburg im TGV in Richtung Marseille, habe 2 wunderschöne Wochen in Deutschland hinter mir und bin etwas nostalgisch. Mit gemischten Gefühlen fuhr ich vor genau einer Woche vom 3. Seminar direkt nach Hause, saß an der Bushaltestelle und wartete auf den Bus, der mich 3 Jahre lang zur Schule brachte. Ich beobachtete die Schulkinder wie sie aus den Bussen stiegen, irgendwie sahen alle gleich aus, die selben Klamotten, ein fettes Smartphone vor dem Gesicht und ein desinteressierter Gesichtsausdruck. Egal. 

Im Bus setzte sich ein Mann neben mich, der netterweise meinen 50 Liter Rucksack-für-Abenteuer wieder an seinen Platz rückte. Wir kamen ins Gespräch, er kommt aus Moldawien und spricht schlecht deutsch, also unterhielten wir uns auf französisch. Der Sohn meiner Nachbarn stieg ein und ich stellte klar, dass ich seit einem halben Jahr in Frankreich lebe und nicht mehr zur Schule gehe, Blitzmerker. Zu Hause angekommen machte ich mich erstmal auf die Suche nach Süßigkeiten, natürlich fand ich keine, alles war wie immer. 

Die Zeit ging viel zu schnell um und doch fühlt es sich an als wäre ich Ewigkeiten dort gewesen. 

Die Sonne scheint mir ins Gesicht, aus den Lautsprechern ertönen französische Worte und ich verstehe kein Wort, die Vororte von Straßburg sind nicht gerade schön, ich bin nicht zufrieden mit diesem Text und weiß nicht mal ob ich es gut oder schlecht finden soll, dass ich wieder zum Hof fahre. Vielleicht bleibe ich auch einfach sitzen und fahre weiter bis ans Meer? 

   

 

  

 

Ich bin typisch deutsch 

Ich ärgere mich immer darüber zu sagen, typisch deutsch, typisch französisch. Menschen kann man nicht verallgemeinern, man kann kein ganzes Volk unter einen Hut packen. Ich kann bezeugen, dass nicht jeder Franzose Baguette isst, ebenso wie nicht jeder Deutsche Bier trinkt. Nach sieben Monaten, die ich jetzt schon in Frankreich lebe, kann ich jedoch sagen, dass Franzosen irgendwie anders sind. In der Zwischenzeit verstehe ich sogar den Vorurteil, die Deutschen seien Spießig und ernst, sie… nein wir! würden viel zu sehr den alten Zeiten nachtrauern, haben Angst vor der Zukunft und vergessen dabei, dass wir JETZT leben. Wir wären viel zu pflichtbewusst und könnten den Moment nicht genießen, weil wir zu viel denken. So sehe ich Deutschland, nicht weil ich die deutsche Kultur nicht mag und auch nicht weil die Leute alle genau so sind, es bin ich, die so ist. Ich bin typisch deutsch.

Anfangs war ich schlichtweg überfordert mit den lauten, lebensfrohen Franzosen, die gerne mal einen Ricard zu viel trinken. Ich war es nicht gewohnt, mehrmals die Woche an einem gefüllten Tisch zu sitzen und dabei ein französisches Gericht zu essen. (Wer die Ausarbeitung der Mahlzeit überspringen will liest einfach im nächsten Abschnitt weiter) Mit französischem Gericht meine ich so etwas, wie Erdnüsse zum vertreiben des allerschlimmsten Hungers (so sehe ich das zumindest), ein Apéritif für die Geselligkeit, reden, lachen und zu guter letzt hungern. Die Hauptspeise kommt auf den Tisch, mir läuft das Wasser im Mund zusammen, aber niemand rührt sie an, warum auch? Man muss mir anmerken, dass ich Hunger habe, denn irgendwann wird dann doch das Essen verteilt, mit dem Kommentar „Sie hat ja auch gearbeitet“. Wein wird ausgeschenkt, aber der rote. Danach kommt der Käse, dann der Kaffee, dann der Schnaps in die Kaffeetasse, dann vielleicht noch Schokolade oder Kuchen und dann der sieste…
Genug der gewöhnungsbedürftigen Esskultur, weiter zur Arbeit. Denn die wird in dem Umfeld in dem ich mich befinde nicht dauernd kritisiert, jeder ist irgendwie zufrieden und wenn nicht dann ist das auch nicht so schlimm. Selbst der Tag der Arbeit ist kein Tag sondern ein Fest „fête du travail“.

Natürlich ist das alles nicht ganz so rosig und heile-Welt-dingens wie das jetzt rüberkommen mag, es ist einfach mein Eindruck vom Leben hier auf dem Hof zwischen all den verrückten Menschen und Tieren, die mir so viel lebendiger erscheinen, mit höheren Hochs und tieferen Tiefs. 

Ich glaube wir sollten viele Dinge einfach ein bisschen lockerer und weniger streng sehen (zumindest gilt das für mich).

  Der Liedtext passt irgendwie zu mir: stressed out 

2. Seminar

Ich war im tiefsten Winter, irgendwo in den Vogesen, auf 1000 m Höhe in einem Haus das nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist, wo das Wasser mit Feuer geheizt wird und man nach einer Woche sicher sagen kann, dass dieses Haus eine Seele hat.

Wir haben gelacht und gesungen, uns gegenseitig stricken und häkeln beigebracht, Tee getrunken zu jeder Stunde des Tages. Wir haben gebacken und Weihnachten vorgefeiert aber vor Allem waren wir eine Gemeinschaft.

Das Haus in dem wir lebten hatte eine ganz besondere Ausstrahlung, die einen im hier und jetzt ankommen lässt, so dass man sich einfach nur wohlfühlen kann. Nach einer Woche im tiefsten Schnee waren wir ganzen Freiwilligen einfach nur entspannt, neu motiviert, den Kopf voll mit Ideen die man sofort umsetzen wird wenn man wieder auf dem Hof ist, den Bauch voller Liebe, denn irgendwie sind wir eine große Familie.

Wir haben getanzt zu selbst gemachter Musik, im Schlafanzug, irgendwann zwischen Nacht und Morgen, mit Vollmond und Sicht bis zu den einzelnen Lichtern im Tal, irgendwie unwirklich und doch wahr.

Eine unglaubliche Zeit war das mit euch. VE-FAmille ❤

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Mein etwas verspäteter Post über das 2. Seminar Ende November 2015